Die Bypass Odyssee, Teil 2

28. April 2010 at 23:32 (Output) (, , , , )

1. Teil

  • Oktober 2009: Informationsgespräch im Basler Unispital, alles läuft bestens, bis
  • November 2009: die Krankenkasse mitteilt, dass ich dafür eine Zusatzversicherung brauche, für diese wird mir im
  • Dezember 2009: eine Absage erteilt und ich wechsle die Krankekasse, im
  • Januar 2010: untersagt mir auch die neue Krankenkasse eine Zusatzversicherung und die alte Versicherung bezeichnet meine Kündigung als nichtig da eine Prämienrate vom Oktober ausstehend sei. Ein Anruf bei der Buchhaltung bestätigt, dass ich nie eine Mahnung dafür erhalten hatte und somit gar nicht wissen konnte, dass ich im Verzug war. Dennoch wurde von mir gefordert, die Krankenkasse wieder zu wechseln. Ich möchte somit von folgendem Saftladen, den ich jetzt wieder am Hals habe, abraten: Sodalis
  • Februar 2010: mein Hausarzt schickt mich zu einem kantonalen Chirurgen der auch ohne Zusatzversicherung bezahlt würde. Dieser erzählt mir beim Informationsgespräch, er empfehle mir ein Magenband (???), ihm seien schon 2 junge Menschen bei der OP gestorben, ich würde ein Leben lang Durchfall haben und Laparoskopie sei ja bei meiner Erscheinung sowieso überflüssig. Mein Entscheid: der sicher nicht.
  • März 2010: Obwohl mir mein Hausarzt mitteilt, dass die Krankenkasse eine Behandlung beim Adipositaszentrum in Bern nicht bezahlen würde, rufe ich bei der Kasse an und erfahre, welche Chirurgen ohne Zusatzversicherungen bezahlt würden, anschliessend musste ich bei der Chirurgie im Hospital anrufen um mir die Koordinaten des Chirurgen geben zu lassen da diese der Sodalis offensichtlich nicht zur Verfügung stehen. In der Praxis des Chirurgen erfahre ich, dass er an das Adipositaszentrum in Bern angeschlossen ist – obwohl dies gemäss Aussagen meines Hausarztes gar nicht möglich sein kann.
  • April 2010: erste Sitzung im Adipositaszentrum in Bern, man sieht ein dass es dringend ist und ist bereit die Wartezeit bis zur OP für einen Monat zu verkürzen. Danke!

2. Teil

  • Man hat meine Krankengeschichte mit der einer italienischen Patientin mit einem Doppelkinn “fusioniert” und alle haben sich heute wohl gefragt warum ich deutsch spreche. Keine Entschuldigung für den fahrlässigen Umgang mit meinen Daten und denen einer anderen Patientin.
  • Die Internistin wirft mir vor, das psychologische Gutachten sei noch nicht da. Ich erkläre ihr dass meine Psychologin keine Aufforderung erhalten hat und nur auf diese antworten darf. Erst ein Eilfax letzte Woche welches ich in Auftrag geben musste hat ermöglicht, dass überhaupt rechtzeitig noch ein Gutachten erstellt würde welches per Fax eintreffen werde. Sie glaubt es mir nicht und sieht dann im System, dass die erste Anforderung an meine Psychologin von vor 7 Jahren gegangen ist statt an meine jetzige. Keine Entschuldigung seitens der Internistin für die falschen Vorwürfe.
  • Die Internistin wirft mir vor, ich hätte ihr nicht gesagt dass vor 7 Jahren schon mal ein Gesuch gestellt worden sei welches abgelehnt wurde. Glatte Lüge: Sie sah sich das letzte Mal die Werte der Diagnosen von vor 7 Jahren an und fragte auch, warum es damals nicht gemacht worden sei. Ich sagte dass mein Gesuch abgelehnt wurde.
  • Die Internistin eröffnet, dass der Ablehnungsgrund seitens Kanton gar nicht – wie mir meine Eltern erzählten – wegen meines Alters war, sondern weil man unsere Angaben nicht für glaubwürdig hielt. Sie berufen sich dabei auf eine bestimmte Diät (Paramedi), welche offenbar nicht möglich gewesen sei, zeitlich. Damals haben meine Eltern dann wohl nicht mehr nachgehakt und mir erzählt, es sei wegen des Alters, obwohl keine Diät aufgrund ihrer Quittungen so gut dokumentiert ist wie eben jene, die ja so unmöglich zu sein scheint und nebenbei eine der teueresten war.
  • Die Internistin klärt mich auf, dass damit meine Chancen auf eine weitere Ablehnung stark gestiegen sind. Meine Angaben von der letzten grossen Gewichtsabnahme dünken sie ebenfalls “unglaubwürdig” und reduziert daher die Anzahl verlorener Kilos, obwohl man bei einer Kombination aus Reduktil, Efexor, Xenical einer Nulldiät und viel Sport davon ausgehen kann, dass fast alles möglich wird, sogar dass man alles damit kaputt macht…

Unglaubwürdig. Ich bin also unglaubwürdig. Mein Leben und was ich schon alles versucht habe um es in richtige Bahnen zu lenken, sind also nicht glaubwürdig. Das macht mich fertig.

Ich bin wieder das Kind mit Beinschmerzen und niemand glaubt es ihm. Nach 4 Jahren sieht man den Rückenschaden und operiert sofort aufgrund bevorstehender Lähmung.

Ich bin wieder die Freundin die den Mann von Nebenan doch gar nicht überdurchschnittlich lange angeschaut hat, die doch gar nicht absichtlich länger arbeitet, die nicht zu lange im Bad ist weil sie aufgrund ausserpartnerschaftlichem Sex Blasenentzündung hat.

Keine Ahnung, aber irgendwie habe ich langsam das Gefühl, dass man mir nicht gerne glaubt. Das ist umso erstaunlicher da man meinem Exfreund jede schamlose Lüge abkauft, was zu einer starken Minimierung meines Freundeskreises geführt hat. Was an mir macht die Leute so misstrauisch?

Auch meine Chefin hat viele Überwachungsmechanismen eingeführt, die bei meinem Vorgänger offenbar nicht erforderlich waren. Kann sein dass sie ihm aufgrund seiner Berufserfahrung mehr Vertrauen entgegen brachte. Dennoch ist mein Bürostuhl erstaunlich oft morgens verstellt obwohl alles noch an seinem Platz ist.

Was an mir lässt die Leute davon ausgehen dass ich nicht zur Wahrheit stehe?

Nachdem meine Würgeanfälle in der Öffentlichkeit auch auftraten und ich vor zwei Wochen urplötzlich ohne erkennbaren Grund in eine starke Depressive Episode verfiel und auf der Arbeit – kurz zu allen möglichen Uhrzeiten und Umständen – Weinkrämpfe bekam, hatte ich in der Woche in der ich aufgrund dessen krank geschrieben war, damit begonnen einen Versuch zu wagen eine Lösung zu finden um die Monate bis zur OP zu überwinden.

Ich habe mich die letzten Tage in einer Art “Reframing” versucht. Statt mich vor der Ablehnung und dem Spott zu fürchten, habe ich ihn als meine verdiente Demütigung zu akzeptieren versucht, denn ich habe mir und meinem Körper schweren Schaden zugefügt und verbrauche damit unnötig Ressourcen. Ich habe es verdient fertig gemacht zu werden. Ausserdem muss ich negative Bemerkungen von anderen Menschen eher als eine Form des Erziehungsversuchs anerkennen. Sie sehen dass ich mir schade und wollen mich kurieren. Wie wenn man einem Hund die Nase in die eigene Scheisse drückt damit er lernt und sein Verhalten ändert.

Und tatsächlich. Wenn ich durch die Strassen laufe akzeptiere ich den Pranger. Ich verkrafte es besser. Ich habe das einfach verdient weil ich meinen Körper so gequält habe.

Allerdings ist mit dem heutigen Tag nebst Ablehnung und Spott noch diese Vertrauenskomponente hinzugekommen. Daran muss ich noch arbeiten um es so sehen zu können, dass ich damit umgehen kann.

Ich bin furchtbar müde und meine Recherchen über menschliches Sexualverhalten und die inzuchtvermeidende Rolle der von Frauen geförderten Familie in der menschlichen Gesellschaft welche krass im Gegensatz steht zu den Männern, von denen wahrscheinlich rund 50% nicht treu sind (Kinsey-Report Schätzung).  Die ganze These endet in meinem Kopf und plötzlich bin ich nur noch ein Inzuchtprodukt, eine evolutionäre Sackgasse. Dieser Gedanke drängt sich so oft auf, das ist anstrengend.

Es muss doch möglich sein diese paar Monate noch zu überwinden.

Was aber wenn mein Gesuch abgelehnt wird? Eine Frage die seit heute aktueller ist denn je…

Keine Ahnung… Der Plan B steht nicht.

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Die Magenbypass-Odyssee

18. April 2010 at 21:56 (Output) ()

Da ich aufgrund der vielen exzessiven Abmagerungskuren meinen Stoffwechsel auf einen tiefen Grundumsatz gedrosselt habe, ist es mir nicht mehr möglich mich normal zu ernähren ohne automatisch eine Fettschwarte zu sein. Somit ist der Bypass erforderlich, damit ich a) weniger zu mir nehmen kann und b) weniger von dem verwertet wird. Logisch.

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Im Stau der Gefühle?

15. Januar 2010 at 13:56 (Output) (, , , , )

Das Dilemma wächst gemächlich weiter. Nach etlichen Telefonaten mit Krankenkassen, Kantonsärzten, Hausärzten und sogenannten Spezialisten habe ich nun in Erfahrung gebracht, dass ein Magenbypass in meinem Kanton auch noch von anderen Ärzten durchgeführt wird dem bisher mir bekannten den ich auf keinen Fall haben wollte.

Ich lasse ich mich nun zum neuen Arzt weiterleiten und hoffe dass es langsam voran geht, denn insgesamt habe ich 2 Monate vergeudet um herauszufinden, dass unser Gesundheitssystem kein Verständnis für mich aufbringt. Egal, ich kann ja flexibel sein, wenn ich muss.

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Zahlenseher

4. Januar 2010 at 14:09 (Output) (, , )

Nun denn, nachdem ich mich entschieden hatte einen Magenbypass machen zu lassen folgt nun die wahre Odyssee. Alles schien noch in Ordnung zu sein als ich mit einem Kompetenten Arzt aus Basel die Situation intensiv diskutiert habe. Die Probleme begannen – wie so oft – sobald es um die Kostenübernahme ging.

Kurz: meine erste Krankenkasse informierte mich dass ich generell kein Anrecht auf eine Zusatzversicherung hätte, selbst wenn das Angebot dieser in zwei Jahren ohnehin zur Grundversicherung gehören wird.

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Wenn ich wenigstens in der Nacht Ruhe hätte…

25. November 2009 at 11:02 (Output) (, , )

… aber nein, das wäre ja zu schön.
Lieber quält mich mein Unterbewusstsein mit verletzenden Szenarien. Es passiert zwar oft, aber heute hat es sich mal wieder selbst übertroffen!
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